WELT: Das LinkedIn für Zocker

Das LinkedIn für Zocker – WELT (German)

WELT am 28. März 2018

Computerspiele und Sport – das klingt nach zwei grundlegend verschiedenen Tätigkeiten. Doch spielen mehrere Teams bei Turnieren gegeneinander, wird aus Zocken Sport: der Milliardenmarkt E-Sport. Der Hamburger Sebastian Kuch hat eine App entwickelt, mit der E-Sportler Spielpartner finden können.

WELT:

Herr Kuch, „Elektronisch“ und „Sport“ – das passt doch nicht zusammen.

Sebastian Kuch:

Wenn man Sport mit „Fit sein“ definiert, nicht. E-Sport ist aber durchaus eine sportliche Angelegenheit. Es geht um Können, nicht um Glück, und man braucht Talent und Geschicklichkeit. Und was Bewegung angeht – die ist im E-Sport nicht geringer als beim Schach.

E-Sport gewinnt an Bekanntheit. Wie groß ist der Markt?

Weltweit gibt es 2,2 Milliarden regelmäßige Spieler. Es gibt mehr Zocker als Sportler im traditionellen Sinne.

Sind Sie selbst professioneller Spieler?

Ich bin Gamer der ersten Stunde und spiele seit knapp zehn Jahren. Insgesamt komme ich bestimmt auf 20.000 Spielstunden! Die Idee zu meiner App ist aus eigener Erfahrung heraus entstanden: Ich habe den letzten Schritt in die Profi-Szene nicht geschafft, weil ich kein professionelles Team gefunden habe.

Ihre App MateCrate soll die Teamfindung erleichtern. Wie genau funktioniert das?

Die App ist vergleichbar mit dem beruflichen Netzwerk Linkedin: Jeder Nutzer hat ein Profil mit einer Art Lebenslauf. Darin stehen aber keine Jobs, sondern, auf welchen Positionen man am liebsten spielt und welche Fortschritte man erzielt. Dadurch kennen wir das Spielverhalten der Nutzer und können sie mit passenden Mitspielern verknüpfen.

Was spielen Ihre Nutzer?

Unser Fokus liegt auf „League of Legends“, einem der beliebtesten Multiplayer-Spiele weltweit. Mit dem dahinterstehenden Computerspiel-Entwickler Riot Games arbeiten wir zusammen. Durch ihn kommen wir auch an die Spielerdaten, die für die Nutzerprofile notwendig sind.

Nach welchen Kriterien werden die Spieler dann miteinander gematcht?

Wir beziehen das Alter der Nutzer, ihren Standort, die Sprache, den Server, auf dem sie spielen, ihre Ziele – also, ob sie nur zum Spaß oder ambitioniert spielen – und ihre Lieblingspositionen mit ein.

Wieso spielt der Standort bei einem Onlinespiel eine Rolle?

Obwohl ja jeder einen Internetzugang zu Hause hat, gibt es immer mehr Lan-Partys. Dabei trifft man sich, um gemeinsam zu spielen. Die soziale Komponente ist den Spielern von heute extrem wichtig. Das merken wir auch an unseren Nutzern. Darunter haben sich sogar schon Pärchen gefunden.

Wo sehen Sie MateCrate in einem Jahr?

In einem Jahr wollen wir Wettkämpfe organisieren, bei denen sich auch Amateurspieler messen können. Aktuell gibt es Profi-Wettkämpfe, bei denen nur knapp 1.000 Spieler mitspielen dürfen. Weltweit gibt es aber allein über 250 Millionen League-of-Legends-Spieler.

Wenn das Ihr Ziel ist, wieso haben Sie dann erstmal eine App gebaut?

Die Matching-App ist nur der allererste Schritt. Ohne sie gäbe es bei Wettkämpfen nicht genug teilnehmende Teams! Aktuell ist es extrem schwierig, Leute zu finden, mit denen man zusammen spielen kann. Es ist einfacher, jemanden zum gemeinsamen Kochen zu finden als fürs Online-Spiel.

Sie sind 21 Jahre alt. Ist Ihr junges Alter beim Gründen eine Hürde?

Keinesfalls. Ich glaube, um eine solche App zu bauen, ist mein Alter genau richtig. Ich selbst bin meine Zielgruppe und kann ganz sicher sagen, was die Zocker von heute brauchen. Nur bei der Investorensuche ist es manchmal hinderlich, sehr jung zu sein. Da höre ich ab und zu, ich solle erstmal etwas Richtiges lernen.

Sebastian Kuch (21) hat die MateCrate UG im Januar 2017 gegründet. Das Produkt des Hamburger Start-ups ist derzeit als iOS- und Android-App im Test. Die Nutzung ist kostenlos. In Zukunft will Kuch mit E-Sport-Turnieren Geld verdienen, für deren Teilnahme eine Gebühr anfällt. Derzeit ist das Start-up auf Investoren angewiesen, der Next Commerce Accelerator und Business Angels haben in MateCrate investiert. Nebenbei studiert Kuch BWL.

In Kooperation mit Gründerszene

www.gruenderszene.de

Original on WELT:

2018-06-12T18:28:35+00:00